Pressestimmen

Hallo Erding über das Programm „Organisiertes Versprechen“:

Süße Creme mit scharfem Biss

Die bayerische Crème de la Crème hat zugeschlagen. Ferdinand Maurer und Sebastian Schlagenhaufer, inzwischen besser bekannt als „Creme Bavarese“, haben im Festsaal in der Fischer’s Stiftung einmal mehr bewiesen, dass sie den St.-Prosper-Kabarettpreis in der Schiaßn völlig zu Recht gewonnen haben.

Heilig ist ihnen gar nichts, sie greifen Themen auf, die jeden bewegen und stellen in ihrer bayerischen Triologie auf die Melodie von „Großer Gott wir loben Dich“ die drei Grundwerte Landschaft, Kulinarik und Tradition in Frage. Maurer hält mit harmonisch lieblichen Akkordeonklängen die tragenden Säulen des Bayerntums hoch, während sie Schlagenhaufer mit harten Gitarrenriffs negiert. Da gibt’s Wiesen nur für Möbelriesen und Gammelfleisch als Schweinsbraten. „Vielen Dank für Speis‘ und Trank, nur a Preiß‘ is rank und schlank“, singen die beiden Kabarettisten und begeistern damit ihr Publikum.

„Wir Raucher teeren nicht nur unsere Lungen, sondern auch eure Straßen“, wettert Schlagenhaufer, unterbrochen von heftigen Hustenanfällen, und fragt, wo denn der Staat das Geld hernehmen würde, für all die sozialen Leistungen, wenn er keine Tabaksteuer mehr bekäme. Ob die Schließung des Atomkraftwerks Isar I, die zwei ehemalige Mitarbeiter wortreich bedauern, weil sie doch immer extrem aufgepasst haben – bis auf ein, zwei dumme, aber erklärbare Unachtsamkeiten, oder der reglose stumme Auftritt Maurers als Adolf Hitler, weil „Hitler darf in keinem Unterhaltungsprogramm fehlen“ – Creme Bavarese sind keck, frech und treffen den Nerv des Publikums. Auch als sie angesichts des Veranstaltungsortes fragen, ob jeder Facebook kennt, „aber das Telefon schon, oder?“. Sie haben Angst um die Angst, weil es sie vielleicht bald nicht mehr gibt, wenn sie so mutig sind, wie manch ein Politiker. Doch davor brauchen sie sich nicht zu fürchten.

Creme Bavarese stehen zwar erst am Anfang ihrer Karriere, haben jedoch eine große Zukunft vor sich, wenn sie’s nicht selbst vergeigen. Das Theater in der Fischer’s Stiftung jedenfalls hat sich mit einem würdigen und sehr unterhaltsamen Abend in die Sommerpause verabschiedet.

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Münchner Merkur über das Programm „Organisiertes Versprechen“:

Creme Bavarese mit morbidem Beigeschmack

Beim Löffeln dieser Creme Bavarese könnte man Gammelfleisch, das „Lebensmittel Auto“ und Brennstäbe verschlucken. Vielleicht sollte man vor dem Genuss Reinhold Messners Ausspruch: „Die Angst ist der Anfang vom Intellekt“ beherzigen, den Sebastian Schlagenhaufer zitierte. Er gehört zu Creme Bavarese und gastierte mit seinem Kollegen Ferdinand Maurer mit „Das organisierte Versprechen“ in der Schiaßn in Erding.

In Monologen, Zwiegesprächen sowie zu Gitarren- und Akkordeonbegleitung brachten die Zwei ihre Botschaften unter die Leute und eiferten den großen bayerischen Kabarettisten nach. Sie wollten vom Publikum wissen, welche Farbe die Sitze im Bundestag haben. „Blau“, schallte es ihnen entgegen. Das Fazit: Man erinnere sich an die Farbe deshalb, weil viele Stühle unbesetzt seien.

Die beiden nahmen sich der bayerischen Trilogie Landschaft, Kulinarik und Brauchtum an. Zu einem Ausflug ins Morbide schien der Song „Der Stecher“ zu werden. „Er kann täglich aus vielen Körpern wählen, es san so vui, er kann sie gar nicht zählen.“ Doch der mit Kettensäge [mit Kettenhemd bekleidete, d. Red.] bewaffnete Mann arbeitet schlicht in einem Schlachthof und zerlegt 750 Schweine in der Stund‘. „Guten Appetit“ – so viel zum Lehrstück über die bayerische Kulinarik, wo ein rescher Schweinsbraten nicht fehlen darf.

Wie öde sei die Landschaft ohne das Atomkraftwerk Isar 1, räsonierten Schlagenhaufer und Maurer als wehmütige AKW-Mitarbeiter am Stammtisch. „Die Liebe geht entzwei durch virtuelle Spannerei“, warnten sie in ihrem Lied über das zwischenmenschliche Ausspionieren im Netz und erzählten von einer Alltagsodyssee: Der Versuch einen Telefonservice anzurufen, kostete am Ende Geld und Nerven. Dass Hitler inzwischen zur Filmfigur wurde, was zu einem Prozess der medialen Verharmlosung führen könnte, war der Anlass, um satirisch über Vermarktungsstrategien nachzudenken. Barbie und Ken – Eva und Adi. Als zum Finale aus „Bella ciao“ – „Erding ciao“ wurde, hielt es das Publikum kaum noch auf den Stühlen.

27. 03. 2012 – Münchner Merkur über „Organisiertes Versprechen“

Glasklare Ansage

Sympathische Wortverdrehereien des Duo Creme Bavarese

Markt Schwaben – Wie in einem guten Restaurant , wenn der Kunde mal auf sein Dessert warten muss, ließ sich auch das bayerische Kabarettisten- Duo Ferdinand Maurer und Sebastian Schlagenhaufer im Theater am Burgerfeld Zeit für seinen Auftritt – ihre Entschuldigung: „Es ist ja auch nicht so einfach, das zu kommentieren, was in der Welt dauernd so geschieht.“ An Geschehnissen, die durch den Kakao gezogen werden sollten, bot sich reichlich Auswahl. Die beiden Wortdrechsler, die sich je nach Szene selbst mit Gitarre und Akkordeon begleiteten, kamen über Politik („Wir können nichts dafür, dass jeder Sechste die FDP ge-wählt hat“), einen rasend schnellen Flughafen- Transfer („Nullen in diesem Thema müssen nicht unbedingt Zahlensein“) bis hin zu lokalen Themen. Vor allem der geplante Leinenzwang für Hunde brachte sie zum Nachdenken. Anhand einer von manchen gewünschten Leinenlänge von nur 1,50 Metern sei die Freiheit der Vierbeiner arg beschränkt, als Reiter- Begleitung würden sie dann gar fast schon über dem Boden schweben, auf dem Naturschützer derzeit die Existenz der Schwabener Störche gefährdet sehen.

Und sie machten glasklar die Farbe der Stühle im Bundestag aus, „denn da sitzt ja kaum jemand drauf, obwohl wir die Abgeordneten doch dafür gewählt haben“: Gewählte Worte im wahrsten Sinn, im deutschen Servicedschungel unzähliger Hotlines, war ebenfalls ein dankbarer Punkt. Beim Versuch, mit einer einfachen Frage am Telefon eine ebenfalls einfache Antwort zu er-halten, scheiterten sie kläglich, zahlten dafür aber über 90 Euro! Ferdinand Maurer sang mit seinem Kollegen ein Lied („Der Stecher“) auf die Arbeiter im Schlachthof, die pro Stunde immerhin 750 Tiere zu töten haben, „damit Sie im Supermarkt ein Schnitzel für 2, 99 Euro kaufen können“. Auch die Nutzer der Social Media bekamen ihr Fett weg: Für die Meister der „Organisierten Versprechens“, wie das Programm von „Creme Bavarese“ heißt, ist die „virtuelle Spannerei bei Facebook“ jedenfalls nicht das, was sie sich an spannender Kommunikation vorstellen:

Bayerisch-philosophische Weisheiten, aus dem Dickicht täglicher Versprechungen gezerrt, ans Licht der Kritik gebracht und verbal serviert – wie ein gutes Dessert.

Süddeutsche Zeitung über das Programm „Boogie & Kabarett“:

Scharfe Zungen und flinke Finger


Creme Bavarese glänzt in Markt Schwaben mit Boogie Woogie, Ottfried Fischer und Selbstironie

Markt Schwaben – „Vielen Dank für Speis’ und Trank, nur a Preiß’ is rank und schlank“. Mit ihrer ganz eigenen Interpretation von „Großer Gott wir loben Dich“ eröffnete das Trio Creme Bavarese seinen ersten gemeinsamen Boogie- und Kabarettabend in der Markt Schwabener Wolfsmühle.

Vom Transrapid über die Gesundheitsreform bis zur Servicewüste Deutschland sangen und witzelten sich die Schauspieler Sebastian Schlagenhaufer und Ferdinand Maurer durch’s aktuelle Zeitgeschehen. Am Piano ergänzte Jazzmusiker Christian Kappl den Abend mit flottem Boogie Woogie. 

Wir Raucher teeren nicht nur unsere Lungen, sondern auch eure Straßen“, resümierte Sebastian Schlagenhaufer in seiner Ansprache über die Bedeutung der Tabaksteuer. Ähnlich keck fragt Maurer in seiner Parodie der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt: “Was muss ich Ihnen eigentlich noch aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen streichen, damit Sie endlich auf Ihre Gesundheit achten?“ In Acht nehmen sollten sich das Publikum ab jetzt auch vor dem Terrorismus: Denn als der Konservative aus einer der Nummern des Trios von zwei Nazis verprügelt wird, schimpft er: „Da muss der Staat einen doch warnen, dass Terroristen sich so gut tarnen“. Komisch und kritisch, nachdenklich und bissig, so beschreiben die jungen Bayern ihr Musik- und Nummernkabarett selbst. Und genau so präsentierten sie sich am Freitag vergangener Woche bei ihrer Premiere. Dass Schlagenhaufer und Maurer bereits Erfahrung im Improvisationstheater gesammelt haben, kam ihnen dabei nur zugute.

Zwischen den Solonummern und den gemeinsamen Liedern der Kabarettisten, die sich selbst mit Akkordeon und Gitarre begleiten, galoppierte Kappl mit flinken Fingern über die Klaviatur seines Pianos und sang zuweilen dazu.

Dabei machte es ihm die Leistung seiner Kollegen nicht einfach, in der ungewöhnlichen Kombination von Boogie und Kabarett zu glänzen. Mit Klassikern wie Elvis Presleys „Jailhouse Rock“ und andern Boogie-Stücken hielt er das Publikum zwar bei Laune, die euphorischen Zugabe-Rufe galten aber wohl eher den beiden bajuwarischen Spaßmachern. Die machten sich ohne Scheu auch über sich selbst lustig, und als Maurer nach einer grandiosen Ottfried-Fischer-Imitation beim Genmais-Song seine Stimme in bisher unerreichte Tonhöhen schraubte, war klar: Von dieser „Creme Bavarese“, da hätt’ma gern an Nachschlag.

Münchner Merkur über das Programm „Boogie & Kabarett“:

Mit der Pille kommt die Stille

Markt Schwaben – Wo einst Getreide lagerte, steht jetzt ein rotes Sofa, wo sonst Biokost in vielfältiger Form angeboten wird, sitzen jetzt rund 60 Zuhörer, um sich an den Weltbetrachtungen des Trios Creme Bavarese zu ergötzen. Die Premiere ihres Programms „Boogie & Kabarett“ war so erfolgreich, dass sie spontan in die Wolfmühle zur Zusatzvorstellung einluden, und wieder war das Haus voll.

Es klingt etwas seltsam, wenn sie zur getragenen Melodie des Kirchen-Klassikers „Großer Gott wir loben Dich“ einen fetzigen Abriss über bayerisches Kulturgut abliefern, wenn sie dabei nicht nur ihre eigenen Landsleute verbal abledern, auch die „Preißn“ kriegen ihr Fett ab.

Public Schwitzing“, das öffentlich zur Schau gestellte Workout im Fitness-Studio wird in die Mangel genommen und nach seinem Gesamt-Lebens-Wert durchleuchtet: “Kommt die investierte Zeit denn hinten auch wieder raus?“ Doch das Kabarett-Duo zeigt Alternativen auf, das „Virtuell Private Schwitzing“, also das Herumgehopse vor der Glotze. Sie imitieren gekonnt die Gesundheitsministerin mit ihrer Persiflage einer U-Bahn-Fahrt zur Haupt-Schnupfenzeit, sie arbeiten kritisch das Doping-Problem im Radsport auf, fragen nach dem Sinn von „Naabtal-Spastik“ in der Musikwelt oder der Flächenzementierung bayerischer Wiesen durch große Möbelhäuser, ziehen das Zukleistern von Windschutzscheiben geparkter Autos mit Werbemüll durch ihren würzigen Wort-Kakao. Selbst vor großen Vorbildern in der Welt des Schmunzelns machen sie nicht Halt: Ob Ottfried Fischer („der Mann mit dem Hang zu roten Stühlen“), Herbert und Schnipsi oder Bruno Jonas, sie alle müssen sich die Häme der Youngsters gefallen lassen. Und in einem sind sie sich einig: „Wir brauchen dringend eine Abwrackprämie für Ottos alte Friesen-Witze“.

Gar nicht witzig finden sie die rückgängige Geburtenrate, haben aber eine Erklärung dafür: „Wenn man dank Viagra – durch privates Dopping quasi – kleine Kinder macht, schafft das nur Probleme, niemand will die Kleinen wirklich haben“. Den Tipp zur Abhilfe haben sie auch parat: „Mit der Pille erkauft man sich die gewünschte Stille…“

Dass vor allem Politiker sich gerne von einstig großmundig vorgetragenen Statements entfernen („sie handeln schnell, dafür ohne Plan“) untermalen sie mit Geräuschen einer Ziehharmonika – „Die lässt sich auch gut zurückzieh’n“.

Überhaupt Musik: Was der dritte Mann, Christian Kappl, an scharfen Tönen aus seinem Piano klopft kann sich hören lassen. Sein mitreißender Boogie-Woogie-Sound animiert selbst müde Zuschauer zum Mitwippen, seine Fingerakrobatik ergänzt hervorragend die Worteskapaden seiner Verbal-Kollegen. So geht der Zuhörer mit einem wirklich guten Gefühl nach Hause.

 

 

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